Pascal steht in der Tradition der Sprache ALGOL 60. Gegenüber ALGOL 60 wurden einerseits einige Vereinfachungen vorgenommen, andererseits wurden wichtige Erweiterungen integriert. Dies betrifft zum einem die bessere Unterstützung für strukturiertes Programmieren und zum anderen das entwickelte Datentypkonzept sowie das Zeigerkonzept.
Im Gegensatz zu den damaligen Versionen der ersten höheren
Programmiersprachen wie FORTRAN, ALGOL 60 (wissenschaftlich-technische
Berechnungen) und COBOL (kommerzielle Anwendungen) ist Pascal "universell"
einsetzbar. Gegenüber in den sechziger Jahren entstandenen
Universalsprachen wie PL/I oder ALGOL 68, die letztendlich an ihrer
Komplexität scheiterten, setzt Pascal jedoch auf einen
überschaubaren Sprachumfang.
Im Vergleich zum etwas früher ebenfalls als Ausbildungssprache
entstandenem BASIC zwingt Pascal zu disziplinierterer Entwicklung und
unterstützt weit besser strukturiertes Programmieren.
Auch sind die mit Sprachdialekten verbundenen Probleme bei Pascal geringer
als bei BASIC.
Ein wichtiges Defizit des "Ur-Pascal" ist jedoch die mangelhafte
Unterstützung für die modulare Software-Entwicklung, die ganz
wesentlich ist für die Erstellung großer Systeme.
Dieser Mangel haftet auch dem Pascal-Standard
ISO 7185 von 1983 (revidierte Fassung 1990) an.
Pascal hat die Programmiersprachentwicklung ab den siebziger Jahren
wesentlich beeinflußt: Viele Prinzipien wurden in anderen Sprachen
übernommen, einiges wurde aber auch verändert.
Die Pascal-Sprachtradition läßt sich auf fünf Ebenen verfolgen:
Pascal-Programmiersysteme stehen heute auf allen gängigen
Rechnerplattformen zur Verfügung. Wegen des zu engen Sprachstandards
ISO 7185 unterscheiden sie sich jedoch häufig durch nicht zueinander
kompatible Spracherweiterungen.
Extended Pascal ist bislang (noch) nicht sehr verbreitet.
Eine sehr umfassende Implementierung stellt Pascal++ dar.
Gnu Pascal realisiert große Teile von Extended Pascal, ist aber
(bislang) nicht vollständig.
Andererseits verfügen beide Systeme über umfangreiche, zueinander
nicht kompatible Erweiterungen.
Die Erstellung großer, portabler Software-Systeme mit Pascal stößt deshalb auch heute noch auf wesentliche Probleme, ist jedoch innerhalb gewisser Systemgrenzen durchaus sehr gut möglich.
Eine Hilfe bei der Portierung bestimmter Pascal-Dialekte können Pascal-nach-C-Konverter sein.
Auf dem PC-Sektor ist vor allem Turbo Pascal (Borland Pascal) weit verbreitet. Turbo Pascal zeichnet sich durch eine sehr leistungsfähige Entwicklungsumgebung aus und besitzt als Programmiersprache viele nützliche Erweiterungen gegenüber Standard Pascal. Daraus resultiert aber auch ein wichtiger Nachteil: Wegen der erheblichen Abweichungen vom Standard ist die Lauffähigkeit von Turbo Pascal Programmen unter anderen Pascal-Systemen im allgemeinen nicht gegeben, es sind oft erhebliche Änderungen notwendig.
Turbo Pascal ist - gegenwärtig - nur für PC-Systeme verfügbar.
Es gibt zwei Versionen, die sich jedoch (fast) nicht in ihrem Sprachumfang
unterscheiden: Turbo Pascal für DOS und Turbo Pascal für Windows.
Eine umfangreiche Weiterentwicklung von Sprache (unter dem Namen Object
Pascal) und Entwicklungsumgebung (für Windows) stellt Delphi dar.
Es gibt in der PC-Welt einige Pascal-Systeme, die sich am
"Turbo Pascal Standard" orientieren, z.B. für OS/2.
Eine Unterstützung einiger Turbo Pascal Sprachelemente
außerhalb der PC-Welt gibt es durch Gnu Pascal und durch spezielle
Pascal-nach-C-Konverter.